Die bittersüße Fülle eines langen, heißen Sommers: Mein Sommerrückblick 2026
Was ich diesen Sommer gelernt habe - in der Sonnenblumenzeit & unter dem Sternschnuppenregen - irgendwo zwischen Kellnern, Businessaufbau und wenig Raum für irgendwas anderes, in dem irgendwie doch so viel Leben passiert ist.
Wenn ich mein Fotoalbum dieses Sommers am Handy durchgehe, bin ich immer wieder überrascht - wie viele kleine und größere Momente der pulsierenden Lebendigkeit sich, irgendwo zwischen Kellnerjob und freien Tagen & morgendlichen Stunden vor der Arbeit am Laptop verbracht, irgendwie doch angesammelt haben…
Und ich frage mich mal wieder: Wie habe ich das gemacht? Wie kann ich das alles halten und parallel erleben? Und geht es am Ende auf der Suche nach dem Glück vielleicht doch um mehr als nur Geld?
Muss man finanziell reich sein, um seine Träume zu verwirklichen und das Leben zu leben, von dem man immer geträumt hat?
Ich dachte immer - Ja.
Doch meine Erfahrung aus den letzten Jahren hat mich gelehrt - Nein.
Ich finde, ganz ehrlich, wir sollten eher mehr innere Kapazität kultivieren, die uns ermöglicht die Gleichzeitigkeit des Lebens zu fühlen und zu halten und dadurch überhaupt erst das Leben in seiner ganzen Fülle erleben zu können, anstatt bloß mehr Geld anzusammeln. Geld allein wird uns niemals den inneren Erfahrungsraum schenken können, durch den wir die Fülle des Lebens überhaupt erst wahrnehmen können.
Nach 10 Monaten Reisen in und rund um Australien (Februar bis Dezember 2025) bin ich zurück bei meiner Mama in meinem ehemaligen Kinderzimmer zwischengelandet, um noch mal einen Sommer als Kellnerin zu arbeiten - dort wo ich zum ersten Mal vor 10 Jahren im Sommer vor meinem Studium (und dann immer wieder in den Semesterferien) gearbeitet hatte - Throwback hoch 10? Das Ganze sollte dazu dienen, mir ein kleines finanzielles Polster zu schaffen, mit dem ich dann im Herbst wieder mehr Fokus auf den Aufbau meiner Selbständigkeit mit softwildling lenken kann.
Also habe ich jetzt fast den ganzen Sommer lang (seit März) meistens 6 Tage pro Woche in meinem saisonalen Kellnerjob gearbeitet und dafür mein social life, meine passion projects und meine Hobbies so gut wie auf Eis gelegt. Ganz ehrlich, der ganze Sommer ist für mich irgendwie zusammengeschmolzen und verschwommen - irgendwo zwischen Kellnern, Essen, Schlafen und ein paar frühen Morgenstunden am Laptop bis es wieder zum Kellnern ging.
Ich habe mich diesen Sommer oftmals stumpf und taub und verschwommen gefühlt, durch die ganze immer gleiche Arbeit, durch das Funktionieren, und das Morgens-aus-dem-Haus-gehen und Abends-wieder-zurück-kommen, einfach weil das halt so gemacht werden musste.
Gleichzeitig wurde mir von außen immer wieder gesagt, ich sehe so gesund und lebendig aus, ich leuchte. Da wurde mir erst mal wieder klar, wie stumpf und taub und verschwommen der Normalzustand vieler Menschen im Vergleich zu meinem wirklich ist, die wie Zombies durch ihr Leben gehen, um zu tun, was man eben tun sollte, um zu funktionieren, wie man eben funktionieren sollte und die dabei meinen, das sei eben einfach das, was das Leben fordert, was das Leben vielleicht sogar ausmacht.
Und jetzt sitze ich hier - im September, ein Monat vor Ende der Saison - am ersten richtig verregneten & kühlen Spätsommertag mit Vorgeschmack auf den Herbst, unter dem verhangenen Wolkenhimmel neben drei großen selbstgepflückten Sonnenblumen frisch vom Feld. Also irgendwo dazwischen.
Der Gedanke daran, bald wieder eine eigene Wohnung zu mieten und mir meine nähere Zukunft vorzustellen, fühlt sich nach wie vor unsicher an: ein kühler Schauer huscht mir über den Rücken hinunter und gleichzeitig breitet sich ein leises Kribbeln der Vorfreude in meinem Bauch aus.
Ich scrolle zurück in meinem Fotoalbum auf dem Handy und lasse den Sommer, der irgendwie doch noch außerhalb meiner Jobs passiert ist, Revue passieren. Mich überkommt eine Welle der Dankbarkeit - eine Welle wohliger Wärme, die in mir aufsteigt und mich zutiefst im Herzen berührt.
For real, mein Leben ist fern von perfekt doch welches Leben ist schon perfekt?
Und noch viel mehr: Was wäre das Leben schon, wäre es perfekt?
Mein Sommer war voller anstrengender, fordernder Arbeit und gleichzeitig so lebendig mit wundervollen Menschen, Erlebnissen, Farben, Weisheit und Tiefe.
Ich habe Erfahrungen zum Leben erweckt, von denen ich immer nur geträumt habe (und hier spreche ich nicht mal davon, dass ich letztes Jahr mit meinem Freund im Camper-Auto einmal um Australien gereist bin, genauso wie ich es mir seit meinem Auslandsschuljahr dort 15 Jahre zuvor immer insgeheim gewünscht habe, aber das ist eine Geschichte für einen anderen Tag).
Ich konnte meine spirituelle Praxis und damit meine Verbindung zu mir und zum Leben selbst vertiefen, wie ich es mir über die letzten Jahre immer gewünscht habe, jedoch nie wirklich wusste wie oder wo anfangen. Denn auch das passiert nicht einfach so, der Weg findet dich, doch du musst ihn gehen durch regelmäßige, tägliche Praxis und kannst dadurch Tapas aufbauen. Tapas, das Feuer der Disziplin. Disziplin, nicht aus Zwang, sondern aus tiefer Hingabe heraus. - Jai Ma.
Auf Instagram nehme ich dich immer wieder mit in meine Praxis und wie sie durch mich und auf mein Leben wirkt, also folg mir da gerne auf softwildling, wenn dich diese Reise interessiert.
Mich haben Möglichkeiten gefunden - vor allem berufliche, die ich noch bis Anfang dieses Jahres niemals für möglich gehalten hatte - einfach weil ich da war, weil ich ich war und weil das Leben durch uns fließt, wenn wir vertrauen und uns davon bewegen lassen.
Doch uns bewegen zu lassen bedeutet nicht, einfach gelähmt und erwartungsvoll auf dem Sofa zu sitzen, sondern zu erkennen, wo unser Zutun und unsere Handlung gerade sinnvoll sind und dort anpacken, wo es gerade dran ist.
“Einfach weil ich da war und weil ich ich war” bedeutet hier nicht, einfach physisch anwesend zu sein und stumpf eine zufällige Tätigkeit auszuüben, sondern jede Aufgabe bewusst zu wählen und in tiefer Präsenz und mit vollem Sein zu erfüllen und wirklich dabei zu sein. Denn wenn du beispielsweise keinen Bock auf Kellnern hast und dort einfach nur lustlos Teller und Tassen rumträgst, spürt man das. Doch wenn du dich zu dieser Aufgabe in diesem Moment - für die Zeitspanne, die du dort bist - committest, mit vollem Herzen in die Schicht startest und ab Beginn deiner Arbeitszeit präsent FÜR den Job, die Gäste und den Betrieb da bist - DANN SPÜRT MAN DAS AUCH.
Also bin ich jeden Tag, oftmals 6 Tage die Woche, bei meinem Kellnerjob nicht nur aufgekreuzt, sondern habe diese Arbeit aus ganzem Herzen, mit vollem Einsatz und aus tiefer Präsenz heraus gemacht und so wurden dann auch andere Gastrobetriebe in der Umgebung auf mich aufmerksam und haben mir für nächste Saison die Türen geöffnet.
Es bedeutet auch, dass ich, selbst während ich nicht so aktiv mit softwildling war, trotzdem immer wieder die Fühler ausgestreckt habe, aktiv mit Menschen ins Gespräch ging und sich so auch für softwildling neue Türen aufgetan haben - trotz relativem Rückzug.
Der Fluss kommt nämlich nur ins Leben, wenn wir aktiv die Tür aufmachen, nicht wenn wir uns hinter verschlossenen Türen verschanzen und abwarten - wie soll das Leben sonst wissen, dass wir überhaupt da und offen für neue Wege sind?
Ich habe gelernt, mich noch etwas tiefer ins Vertrauen, ins Leben selbst, sinken zu lassen.
Ich habe gelernt, Akzeptanz noch tiefer in mir landen zu lassen.
Ich habe gelernt, Integration noch ein bisschen tiefer zu verkörpern und klarer auszudrücken.
Ich habe gelernt, mein Herz noch ein wenig weiter offen zu halten.
Ich habe gelernt, geduldig mit meinem ganz persönlichen Timing und Tempo zu sein.
Ich habe gelernt, dass Schritt für Schritt zu gehen immer gut genug ist.
Ich habe gelernt, dass es nicht faul ist, mich auf Empfangen auszurichten, auch wenn es von unserer Leistungsgesellschaft oft so dargestellt wird. Und dass Empfangen nicht auf Knopfdruck funktioniert, sondern ein tiefer innerer Prozess ist, der nur durch Loslassen, Vertrauen und Akzeptanz - über eine längere Zeit hinweg kultiviert - funktioniert, niemals durch von mir selbst (oder sogar von außen) auferlegten Stress, Druck oder Zwang.
Ich habe gelernt, mein Weg findet mich, auch wenn ich ihn gerade nicht finde.
Ich habe gelernt, meine Intuition spricht tiefer und weiser als alles, denn sie ist meine direkte Verbindung zum Fluss des Lebens und ich bin ihr Container - hier, um sie durch mich fließen und sich durch mich ausdrücken zu lassen, nicht um sie zu lenken, zu optimieren oder wegzurationalisieren.
Ich habe gelernt, ich bin genährt vom Nektar des Lebens und dafür muss ich nichts tun, außer aus dem Weg zu gehen und den Weg freizugeben.
Ich habe gelernt, dass meine innere Weisheit alles ist, was ich kennen muss, um immer die im jeweiligen Moment stimmigste Entscheidung zu treffen.
“Ich habe gelernt” bedeutet wiederum nicht, es war immer einfach und es bedeutet auch nicht, ich habe es mir mal kurz überlegt. Sondern es bedeutet, ich habe es durch tiefgreifende Erfahrung erkannt, verkörpert und integriert - über Monate und Jahre hinweg, bis ich es immer klarer sehen und spüren konnte, bis es irgendwann ganz sanft “klick” gemacht hat, jedes Mal ein wenig tiefer.
Ich habe gelernt - vom Leben selbst, indem ich nicht einfach stumpf weitergehetzt bin, sondern gefühlt habe, damit gesessen bin und immer wieder mit offenem Herzen meinen eigenen Schatten ins Gesicht geschaut habe und dazu sind die wenigsten bereit.
Ich habe gelernt - von den kleinen Dingen im Leben, die wir im Alltagsstress so schnell mal übersehen, doch das will ich nicht mehr. Ich will lernen, also bleib ich stehen, schaue, lausche, reflektiere und lasse auf mich wirken.
Ich übe mich jeden Tag weiter darin, ein sicherer Container zu sein, für den Fluss des Lebens, für meine Intuition und fürs Leben selbst.
Und ganz nebenbei habe ich das Gefühl, dass hier gerade meine Seele ein wenig heilt - und vor allem dass ich dafür keine volloptimierte Version meiner Selbst werden muss, sondern zurück zu meiner Menschlichkeit, zu meinem inneren Kern, zu meiner tiefen inneren Weisheit kehren darf. Durch all die Schichten, die über die Jahre darüber gelegt wurden, hindurch. Und das ist immer wieder schmerzhaft und wunderschön zugleich. Doch ich bin immer mehr bereit, den bittersüßen Nektar der Fülle des Lebens Schluck für Schluck zu trinken & die Gleichzeitigkeit des Lebens mit offenem Herzen zu umarmen.
Und ich glaube, ich verstehe jetzt wieder mal ein kleines bisschen mehr, was “being aligned” wirklich bedeutet.




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